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Kohlenhydrate machen dick - oder doch nicht?

Nun, das Fett ist als Übeltäter befreit, aber irgendwo muss ja die Ursache allen Übels liegen, daher muss ein anderer Übeltäter her. So waren die Kohlenhydrate schnell gefunden. Wenn schon nicht das böse Fett, dann muss der Zucker dick machen. Der erhöht bekanntlich den Blutzuckerspiegel und das ist schlecht für die Figur.

Zucker ist eine sehr kurzkettige, einfache und damit leicht verdauliche Form von Kohlenhydraten. Grundsätzlich braucht unser Körper Zucker, und zwar in Form von Blutzucker, der ständig in unserem Blut gelöst ist. Solange der Zucker im Blut schwimmt bringt er uns aber noch nichts. Dafür muss er erst in die Zellen verfrachtet werden, und diese Aufgabe übernimmt das Insulin, ein Botenstoff der ausgeschüttet wird, wenn wir Zucker essen. Je mehr Zucker, desto mehr Insulin braucht der Körper (Diabetiker haben übrigens ein Problem in der Zuckerverwertung, weil Insulin fehlt oder nicht ausreichend gut wirken kann). Das führt dazu dass die Zellen unterversorgt sind, obwohl mehr als genug Zucker im Blut vorhanden ist. Unser Gehirn ist darauf angewiesen, dass der Körper brav Zucker in Form von Glucose (=Traubenzucker) zur Verfügung stellt, denn das Gehirn kann nichts anderes verwerten. Nun, nur weil im Blut Zucker gelöst ist, heißt das nicht, dass wir den Zucker in genau der Form zu uns nehmen MÜSSEN. Schließlich gab es in der Steinzeit auch keinen weißen Rieselzucker, Limonaden und Desserts.

Während wir ja so etwas wie essentielle Fettsäuren und essentielle Aminosäuren (die Bestandteile von Eiweiß) kennen, die einen Status wie Vitamine haben, wir sie also regelmäßig essen müssen um keinen Mangel zu bekommen, sieht es bei den Kohlenhydraten anders aus. Essentiell sind stärkehaltige Lebensmittel nicht, sie enthalten auch nichts was andere Lebensmittel nicht auch liefern würden. Vor allem verarbeitete Produkte mit schnellen Kohlenhydraten (Weißmehl und Zucker) enthalten zudem weniger Ballaststoffe. Kommen wir zurück zum Blut: Im Blut ist übrigens relativ wenig Zucker vorhanden. Ein 80-Kilogramm-Mensch hat ungefähr 6 Liter Blut. Insgesamt sind darin etwa 6 Gramm Zucker gelöst, das sind nicht mal zwei Würfelzucker. Das heißt – der Körper braucht zwar Zucker, davon aber nicht wahnsinnig viel und das bisschen holt er sich auch auf sehr kreative Art und Weise und braucht ihn nicht als banalen Zucker zugeführt bekommen.

Nun haben wir noch nicht geklärt, ob Kohlenhydrate dick machen.
Nun ja, wie auch beim Fett gibt es hier keine klare Ja-Nein-Antwort, die man sich so häufig wünscht.

Natürlich kommt es auch hier auf Qualität und Quantität an.
Kohlenhydrate unterteilen wir nämlich auch nach Ihrer Wirkung, wie schnell sie vom Körper verarbeitet werden, wie sie verpackt sind, etwa ob da gleichzeitig Eiweiß, Fett oder Ballaststoffe im Lebensmittel sind, oder durch die Mahlzeit dazu kommen. Oder ob sie pur gegessen werden. Das ist der glykämische Index, der allein noch sehr wenig aussagt, bewertet er doch nur einzelne Lebensmittel. Und selten isst wer nur Bohnen, oder nur gekochte Karotten. Nur Weißbrot, das passiert schon öfter, und hier sei angemerkt, Weißbrot hat einen sehr hohen glykämischen Index, was bedeutet, dass der Zucker daraus schnell ins Blut geht, den Blutzuckerspiegel damit rasch ansteigen lässt und damit die Insulinausschüttung provoziert. Zudem hält es dann nicht lange satt. Bohnen sind auch mehlig, enthalten dagegen aber zusätzlich Eiweiß und reichlich Ballaststoffe, was dazu führt, dass sie länger satt machen. Kohlenhydrate sind also nicht lebensnotwendig, zumindest nicht in den Mengen, wie wir sie üblicherweise verzehren. Aber sie machen glücklich und zufrieden. Und auch wir geben zu, sie schmecken einfach gut.

Was wäre ein Leben ohne Kartoffeln, Brot oder Reis?
Es würde gehen, es würde auch klappen beim Abnehmen, aber dauerhaft? Aus der Praxis kennen wir die Erfahrungsberichte von KlientInnen, die erstaunt waren, dass sie in den ersten Wochen Kohlenhydrate essen dürfen und trotzdem gut abnehmen. Die Menge an Kohlenhydraten die im Plan berechnet sind, sind Mini-Mengen im Vergleich zu früher. Manche Klienten waren schockiert von dem kleinen Nudelhäufchen, das laut Ernährungsplan für eine Portion reichen soll. Der Schock saß, bis sie die fertig zubereitete Mahlzeit sahen und sie essen durften. Die Portion reichte völlig aus. Und diese Erfahrung muss erst mal gemacht werden. Nach ein bis zwei Wochen bessert sich auch die psychische Abhängigkeit von Zucker. Oft hören wir, dass sich das große Problem Heißhunger stark gebessert hat bzw. in den letzten zwei Wochen gar nicht erst aufgetreten ist. Für uns ein Beweis mehr, dass die Ernährungsplanung auch beeinflusst, ob Heißhunger auftaucht oder eben nicht.

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